#fantastischeFRAUEN

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Das Projekt #fantastischeFRAUEN widmet sich der Frage, welchen Anteil Frauen an der deutschsprachigen Science-Fiction-Literatur haben.

Wie viele Frauen veröffentlichen deutschsprachige Science-Fiction-Literatur?

Diese Grafik zeigt, wie viele Autor*innen SF-Werke veröffentlicht haben, unabhängig von der Anzahl der Werke.

Quelle: Theresa Hannig nach Daten von Christian Pree, 2021

Diese Grafik zeigt die deutschsprachigen SF-Werke, die im jeweiligen Jahr erstmalig veröffentlicht wurden.

Quelle: Theresa Hannig nach Daten von Christian Pree, 2021

Datenbasis und Methode

Für diese Analyse habe ich die Daten von Christian Pree (http://www.chpr.at) verwendet. Christian Pree sammelt seit Jahren alles, was im deutschsprachigen Raum an Science-Fiction-Literatur erscheint. Für diese Bemühungen erhielt er 2007 den Kurd Laßwitz Preis für herausragende Leistungen im Bereich der SF (http://www.kurd-lasswitz-preis.de/2007/KLP_2007_Sonderpreis_Laudatio.htm).

Die von Christian Pree zur Verfügung gestellte Datenbank enthält 5.706 Werke, die im Zeitraum von 2016 bis 2020 erstmalig als Originalausgabe auf Deutsch erschienen sind. Wurde ein Werk mehrfach – z.B. im einen Jahr als Hardcover und im nächsten Jahr als Taschenbuch veröffentlicht, wird es in der Auswertung nur einmal gezählt.

Übersetzungen aus andere Sprachen werden nicht gezählt.

Werke, die gemeinschaftlich von einem Autor und einer Autorin geschrieben wurden, werden einfach gezählt. Für die Auswertung der „Science-Fiction Autor*innen“ werden diese Künstler*innen als Team gezählt. Da die Anzahl der Teams aber stets unter 1% liegt, werden sie in der Grafik nicht ausgewiesen.

Kurzgeschichtenbände werden nur dann gezählt, wenn sie als Werk einer Person veröffentlicht wurden. Anthologien mit Geschichten mehrerer Autor*innen sind demnach nicht Teil der Analyse.

Die Unterscheidung nach Geschlecht wurde über ein Script vorgenommen, das die Vornamen auswertet. Als Grundlage wurden online verfügbare Vornamendatenbanken der Stadt Köln (https://offenedaten-koeln.de/dataset/vornamen) verwendet. Im Anschluss wurde das Geschlecht bei nicht eindeutig erkannten Vornamen händisch durch Recherche ergänzt. Hier sind Fehler nicht auszuschließen; außerdem gibt es einige Autor*innen, die nicht auffindbar waren, bzw. die absichtlich keine Angabe über ihr Geschlecht machen. Inwieweit Autor*innen, die unter einem andersgeschlechtlichen Pseudonym veröffentlichen, richtig eingeordnet wurden, kann nicht beurteilt werden. Auch die Anzahl nichtbinärer Autor*innen ist so gering, dass sie nicht einzeln ausgewiesen werden.

Grund für die Analyse

In der deutschen Literaturlandschaft existieren mehr Autorinnen als Autoren. Von den 40.926 bei der Künstlersozialkasse registrierten Autor*innen sind 22.371 Frauen und 18.555 Männer.

Wenn es aber um Science-Fiction geht, wird oft davon ausgegangen, dass dies eine Literaturgattung von Männern für Männer sei.

Das hat unterschiedliche Gründe:

Wie in den meisten anderen Literaturgattungen und überhaupt im den meisten anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wurden Frauen in der Vergangenheit weniger beachtet, weniger ernst genommen und für weniger relevant erklärt. (Siehe auch: FRAUEN LITERATUR: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt von Nicole Seifert, Kiepenheuer&Witsch, 2021)

Wer wird rezensiert?

Dass von Frauen verfasste Literatur in den Medien seltener und kürzer besprochen wird, hat die Autorin und Journalistin Nina George in ihrem 2018 durchgeführten Forschungsprojekt #frauenzählen (http://www.frauenzählen.de/) gezeigt.

Wer wird gelesen?

Eine weitere interessante Entdeckung hat die britische Journalistin Mary Ann Sieghart im Juli 2021 gemacht. Sie untersuchte, wie sich die Leserschaft der englischsprachigen TOP TEN Bestseller zusammensetzt. Dabei fand sie heraus, dass beide Geschlechter die Literatur von Männern lesen, während Männer zum Großteil überhaupt keine Werke von Frauen lesen.

Wer erhält die Literaturpreise?

Die Folgen sind spürbar: Wer weniger besprochen wird, wird weniger gelesen, gilt als weniger relevant, gewinnt weniger Preise und erscheint seltener in einschlägigen Lexika wie z.B. der Wikipedia. Denn dort ist eines der Relevanzkriterien für Autor*innen u.a. der Gewinn eines renommierten Literaturpreises (https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Relevanzkriterien#Autoren).
Wenn wir uns die Vergabe der deuschen Science-Fiction-Literaturpreise anschauen, können wir sehen, wie stark diese von den männlichen Autoren geprägt ist.

Quelle: Norbert Fiks, 2021

Was folgt daraus?

Die wahrgenommene und die tatsächliche Präsenz von Science-Fiction-Autorinnen unterscheidet sich stark. Deshalb möchte ich mit dem Projekt #fantastischeFRAUEN die Science-Fiction-Autorinnen sichtbarer machen.

Im weiteren Verlauf des Projekts  werden auch noch andere Datenbanken analysiert und die Ergebnisse mit denen von Christian Pree verglichen. Die oben genannten Zahlen können daher noch nicht als abschließendes Ergebnis betrachtet werden.

Aber bereits in dieser ersten Analyse sehen wir, dass deutschsprachige Science-Fiction-Literatur nicht nur von Männern für Männer geschrieben wird, sondern dass ein beträchtlicher Teil der Autor*innen Frauen sind.

Vielen Dank!

Für die Mitarbeit und Hilfe bei diesem Projekt möchte ich mich bedanken bei Christian Pree, Ralf Boldt, Regine Bott, Dr. Christoph Endres, Norbert Fiks, Udo Klotz, Katja Konrad, Jacqueline Montemurri, Madeleine Puljic und Klaudia Seibel, Yvonne Tunnat.

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