Schreibblockade – da war doch was

Ich habe einmal behauptet, ich hätte keine Schreibblockaden. Tatsächlich steht das immer noch auf Goodreads. Stattdessen hätte ich nur mit Prokrastination zu kämpfen. Beides ist irgendwie quatsch. Wenn ich keine Schreibblockade hätte, müsste ich auch keine anderen Dinge „erfinden“, die wichtiger sind, als das Schreiben. Alles ist wichtiger, als das Schreiben und nichts.

Mein erstes Buch ist noch nicht einmal veröffentlicht, ich muss jetzt nicht im Akkord gleich den nächsten Roman nachschieben! – denkt sich ein Teil von mir.

Du hast dich entschieden, jetzt Schriftsteller zu sein und das als deinen Beruf zu betrachten. Wie bitteschön kann es Dein Beruf sein, wenn Du es nicht machst? – dankt sich der andere Teil.

Und dann ist da noch ein Teil, der sitzt hier, schreibt gerade diesen Artikel, statt eines Kapitels, lässt den Blick über das Wohnzimmer schweifen, in dem sich die Wäsche stapelt, Spielzeuge aus allen Ritzen hervorlugen, unbeantwortete Briefe und Rechnungen um meine Aufmerksamkeit buhlen und der Staubsauger in seinem Kabuff vereinsamt. Ich habe tatsächlich eine ganze Menge zu tun. Ich könnte mich verdoppeln und hätte trotzdem immer noch einen Haufen Arbeit. Ich wüsste nicht, wann ich mich das letzte Mal gelangweilt hätte – aber Sorgen habe ich die ganze Zeit. Nein, es ist nichts Schlimmes. Es geht mir gut, alle sind einigermaßen Gesund. Aber ständig kreisen meine Gedanken um die Dinge, die noch getan werden müssen. MÜSSEN.

„Du musst gar nichts!“, hat mein 5 jähriger Sohn mir vor kurzem gesagt als ich wieder gedrängelt habe, weil mir das Anziehen oder das Aufräumen zu langsam ging. „Beeil Dich, wir müssen noch…, ich muss noch…..“ Und dann seine Antwort.

Recht hat er. Ich muss gar nichts. Es ist Sommer, die Heizung geht und der Kühlschrank ist voll. Eigentlich muss ich gar nichts. Aber im Hinterkopf nagen die Verpflichtungen, die Dinge, um die ich mich kümmern muss.

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, ist ein Motto, das mich seit meiner Kindheit begleitet verfolgt. Als Kind ist es eine gute Leitlinie, denn Kinder haben wenig Arbeit und sind Meister der Arbeitsvermeidungsstrategien.

Was aber, wenn die Arbeit nie aufhört? Wenn es immer noch mehr gibt, was man tun könnte/müsste. Dann wird die Leitlinie zur Geißel, weil sie einen nie ruhen lässt, denn immer, immer könnte man noch mehr arbeiten: als Mutter und als Schriftstellerin gleichermaßen.

Also werde ich mich bemühen, das Vergnügen, was ja für mich das Schreiben nach wie vor ist, auch dann zu praktizieren, wenn die Wohnung mal wieder aussieht, wie sie immer aussieht, wenn 10 E-Mails ausstehen und 5 Leute angerufen werden „müssen“.

Ein kleines Problem besteht, nein eigentlich 2:

  1. So sehr ich das Schreiben als einen natürlichen Prozess betrachte, der mir so zu eigen ist, wie meine Stimme oder mein Gang, so sehr ist doch der Inhalt des Schreibens davon abhängig, dass ich Muße habe. Doch die Muße kann nicht entstehen, wenn so viele „Sorgen“ auf mich warten, die bearbeitet werden „müssen“. Die Sorgen sind wie ein Inhibitor in einem Chemischen Prozess (ich musste das Ganze auf Wikipedia nachschlagen, aber genau so kommt es mir vor). Wenn der Inhibitor – die Sorgen – da ist, steht alles still. Keine Geschichte will sich entwickeln, keine Lust am Schreiben aufkommen. Die Sorgen saugen wie ein Schwarzes Loch alles Licht und alle freien Gedanken auf. Ich hoffe, dass sich das Problem erledigt, wenn der Großteil dieser Sorgen endlich abgearbeitet ist, und sich dann nicht automatisch eine andere Verpflichtung in einen Inhibitor verwandelt.

 

  1. Ich habe doch eine Schreibblockade und weiß immer noch nicht, wie die Geschichte weiter gehen soll. Ich glaube, ich muss das Kapitel einfach abbrechen und woanders weiterschreiben. Dann ergibt sich der Rest von ganz allein.

 

So. Jetzt nur noch den Artikel korrigieren, ein Bild dazu finden, reinstellen, twittern und schon kann ich anfangen zu schreiben. Zu dumm nur, dass ich in einer Stunde einen Termin habe. Wird wohl doch nichts mehr mit dem Kapitel heute.

2 Gedanken zu „Schreibblockade – da war doch was

  1. Ich habe einen Weg gefunden, meine Schreibblockade zu überwinden. Es ist wirklich so einfach, wie es sich anhört: Einfach woanders weiterschreiben. Es klappt tatsächlich. Ich kümmere mich noch nicht einmal darum, wann/wie ich zu der jetzigen Szene komme. Ich schreibe sie einfach, weil ich Freude daran habe. Und dann bin ich auch endlich wieder im Flow.

  2. Procrastinators of the world unite –

    tomorrow“

    T-shirt Aufdruck den ich mal gesehen habe.

    „Getting Things Done“ könnte was für dich sein. Alles was man zu tun hat aufschreiben und dann ist es erstmal aus dem Kopf.

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