Social Media – wir müssen reden!

Vor nicht einmal zwei Monaten war ich begeistert davon, mein aktives Berufsleben endlich dem Schriftstellerinnendasein widmen zu können. Ich wollte schreiben, schreiben,  schreiben und natürlich meinen bald erscheinenden Roman vermarkten, vorzugsweise in den weiten Prärien der Social Media, die Ruhm und Ehre und große Aufmerksamkeit versprechen, wenn man weiß, was man tun muss.

Nach knapp zwei Monaten nun die Ernüchterung. Wie viel habe ich für mein neues Buch geschrieben: Wenig. Wirklich erstaunlich wenig, man darf es gar nicht laut sagen!

Dafür hatte ich Zeit für meinen Blog und die Webseite.

Und den Rest der Zeit? Den habe ich mit Social Media verbracht – und es reicht mir jetzt schon. Aus basta, ich bin fertig damit. Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit ich in den Sozialen Netzwerken verbracht habe und wieviel Nutzen mir daraus entstanden ist, dann werde ich gleich ganz nervös. Kostbare Lebenszeit, die einfach so verschwunden ist. Und nicht nur das: das Andauernde gucken aufs Handy, um ja keinen Post, keinen Like, Keinen Follower und keine Nachricht zu verpassen hat mein echtes Leben in den Hintergrund gedrängt. Wichtig nur: Was passiert auf Twitter? Wie bekomme ich mehr Follower? Wie bekomme ich mehr Aufmerksamkeit? Schlaflose Nächte, weil man glaubt, es sei wichtig, es sei eine gute Strategie. Jetzt aber die Erkenntnis: Social Media ist nichts für mich!

Klar, ich behalte meinen Twitter Account und auch meine neue Seite auf Tumblr, denn dort kann ich ganz einfach auf meine neuen Blog Posts hinweisen. Und was ist mit dem Rest? Den vergesse ich einfach.

Von Anfang an war mir klar, dass ich nichts mit Facebook und dessen Datensammelwut zu tun haben möchte. Es war dann einfach meiner Dummheit – oder Faulheit zu verdanken, dass ich mich bei Instagram angemeldet habe, ohne vorher nachzurecherchieren, wem der Laden eigentlich gehört: Facebook! Also nichts wie weg. Glücklicherweise hatte ich noch nicht mein Adressbuch freigegeben.

Der Plan war ja eigentlich, auf Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest, Tumblr, Goodreads, Lovelybooks, etc. Influencer zu finden, die mein Buch interessant finden könnten und deshalb bereit wären, etwas darüber zu posten. Aber die muss man erst mal finden. Klar, ich könnte auch (ein bisschen/ziemlich viel) Geld in die Hand nehmen, eine Werbeagentur beauftragen oder eine Marktanalyse starten, um herauszufinden, welche Influencer für mich geeignet wären und was die kosten. Der Haken an der Sache: Ich habe kein Geld. Also wollte ich es selber machen. Doch meine Seele würde innerlich vertrocknen, müsste ich noch einen Tag länger in der unendlichen Social Media Wüste nach geeigneten Influencern suchen müssen. Nicht nur, dass man unzählige Sandkörner umdrehen muss, man muss sie auch alle angucken.

Dabei möchte ich niemanden angreifen und auch die Leistung und die Mühe der einzelnen Leute, die in den Sozialen Netzwerken posten nicht schmälern. Jeder hat seine Ideen, Vorlieben und Strategien. Jeder möchte, dass sein Bild anders ist, einzigartig, und den Followern gefällt. Aber genau deshalb sehen so viele Bilder gleich aus. Ein Buchblogger nach dem anderen postet geschmackvolle, ästhetisch ansprechende Fotos von schönen Buchcovern mit thematisch dazugehörigen Accessoires. Aber wer was postet ist unmöglich anhand der Bilder zu unterscheiden. Alles sieht gleich aus.

Würde ich nur einem Influencer folgen und würde der nur ein Bild am Tag posten, so wäre dies sehr angenehm und eine Bereicherung für mein Leben. Doch so, mit dieser Flut von flimmernden Bildern, die im Sekundentakt meine Aufmerksamkeit einfordern bin ich schlicht überfordert. Ich will nicht mehr, ich kann es nicht ertragen. Und deshalb lasse ich es einfach. Kein Instagram mehr. Kein Twitter zum Frühstück, kein Reddit mehr auf dem Klo. Wann soll man denn seinen Geist in erholsamer Muße schweifen lassen, auf dass einen die Muse küsst, wenn man ständig von neuen Bildern heimgesucht wird? Kreativität ist die Kraft des Geistes, neue Bilder zu erschaffen. Wenn dieses Bedürfnis nach Neuem ständig von außen befriedigt wird, bleibt mir kein Platz mehr, um selber etwas zu erfinden.

Und seien wir mal ehrlich. Ich selbst bin denkbar ungeeignet dafür, aus eigener Kraft viele Follower zu sammeln. Ich wüsste gar nicht, was ich jeden Tag erzählen sollte. Und wenn ich doch etwas zu sagen habe, brauche ich dafür meist mehr als 140 Zeichen.

Und deshalb, Social Media, mache ich Schluss mit Dir. Lass uns gute Freunde bleiben, denn ab und zu werde ich schon noch bei Dir vorbei schauen. Aber für eine feste Beziehung bin ich einfach noch nicht bereit.

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