Schattenbilder und parallele Vorstellungen

So, jetzt ist es endlich so weit: Das Jahr neigt sich dem Ende zu, ich habe den ersten Teil von „Die Optimierer 2“ geschrieben und für ein erstes Feedback verschickt, die Weihnachtszeit dräut am Horizont und bei mir kehrt tatsächlich so viel Ruhe ein, dass ich mich schon wieder langweile und hier sitze und schreibe. Toll!

Dieses Jahr war wirklich ein großes Abenteuer – vor einem Jahr konnte ich es kaum erwarten, jeder Tag schien mir zu lang und jetzt ist es alles schon wieder vorbei…. Jeder über 30 kennt die traurige Wahrheit, dass wir gefühlt schon über die Hälfte unseres Lebens gelebt haben und die Zeit sich anschickt immer und immer schneller zu verschwinden,  weshalb ich mich darüber auch gar nicht weiter auslassen möchte.

Was ich aber sehr gerne mag, ist der parallele Vergleich von Vorstellungen zu verschiedenen Zeitpunkten. Der geht so:

Ich erinnere mich noch genau, wie ich mir die Lesung im Dante Gymnasium vorgestellt habe und ich erinnere mich daran, wie es wirklich war. Diese beiden Ereignisse kann ich gedanklich nebeneinander stellen und vergleichen. Wie ein Film, der mit einem Split Screen abläuft. Meistens überschreibt die tatsächliche bzw. die neueste Erinnerung irgendwann die alte(n), manchmal bleiben sie aber auch erhalten. Das funktioniert bei mir nicht oft im echten Leben, dafür aber gut mit Büchern.

Ich habe den „Herrn der Ringe“ drei Mal gelesen: Als Kind, als Teenager und als Erwachsene. Und ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie ich mir manche Szenen damals, einige Jahre später und dann zuletzt vorgestellt habe. So sagen die verschiedenen Bilder viel mehr über mich aus als über die Geschichte aus, denn die ist ja immer gleich geblieben, während ich als Leser älter und komplizierter geworden bin. Als Kind war „Der Herr Der Ringe“ ein Märchen, als Jugendlicher eine Revolution und als Erwachsener wollte ich die Schauplätze des Films von Peter Jackson noch einmal überprüfen. Mittlerweile hat sich der Film aber so fest in mein Gedächtnis gebrannt, dass ich beim 4. Mal Lesen in ein paar Jahren wohl keine völlig neuen Assoziationen mehr bilden können werde. Einerseits ist das bedauerlich, andererseits hat der Film wohl einfach den Großteil der kollektiven Vorstellungswelt abgebildet – einfach ein Meisterwerk!

Im Nachhinein ist es für mich auch sehr interessant die Rezensionen und Diskussionen über meinen Roman mitzuerleben. Zurzeit läuft eine Leserunde auf lesejury.de und da ist wirklich einiges los!

Für mich als Autorin ist „Die Optimierer“ viel mehr, als der Roman, der am Ende im Laden zu kaufen ist. Ich habe das Buch über Jahre geschrieben, mich mit Figuren und Ereignissen auseinandergesetzt, die teilweise so oder so ähnlich gar nicht mehr in der Endfassung vorkommen und doch irgendwie auch Teil meiner Vorstellung dieser Welt sind. Ich kenne Wesenszüge und Handlungen, die von den Figuren am Ende gar nicht ausgeführt wurden…. Trotzdem sind sie FÜR MICH genau so präsent, wie das, was am Ende auf Papier gedruckt wurde. Von vielen Dingen die dem Lektorat (dankenswerterweise) zum Opfer gefallen sind, ist nur noch ein kleiner Teil im Roman vorhanden. Umso mehr freut es mich dann, wenn einige kritische Leser, diese kleinen Punkte finden und hinterfragen.

„Die Optimierer 2“ wird ganz anders – es geht um andere Themen, andere Schwerpunkte, andere Perspektiven und doch spielt der Roman im gleichen Universum wie sein Vorgänger und wird  – teilweise – von den gleichen Figuren bevölkert. Falls ich aus den Fehlern bei der ewigen Arbeit am Ersten Teil gelernt habe, wird der zweite Teil viel weniger Schwafeleien, Inkonsistenzen und negative Figurenzeichnungen enthalten. Falls ich nichts gelernt haben sollte, wird es am Ende in meinem Kopf eine unsichtbare Schattendimension dieser Welt geben, von deren Existenz nur ich weiß. Und wenn dann der ein oder andere fragt, kann ich gerne mehr erzählen.

2 Gedanken zu „Schattenbilder und parallele Vorstellungen

  1. Auch och bin ganz gespannt, was In „Die Optimierer 2 “ spannendes über die Zukunft zu lesen sein wird. Es gibt sicherlich genügend Stoff und austeichende Themen. Das was man in det Einkind-Republik so alles plant und größtenteils schon in 2020 umgesetzt haben will zeigt der diesjährige Vortrag beim 34.ten CCC, morgen unter https://events.ccc.de/congress/2017/Fahrplan/events/8874.html
    Gamified Control? … Social Credit Systems

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