Das 5-$-Problem

Heute ist mein zweiter Arbeitstag. Wer hätte das nicht gerne: Die Woche beginnen und dann erst mal ein langes Wochenende einschieben?

Aber ich konnte nicht ganz untätig bleiben. Nachdem ich viel konstruktives Feedback für meine neue Website bekommen habe, habe ich erst einmal ein paar kleine Fehler ausgebessert. Relativ schnell kam ich dann aber nicht mehr weiter. Für die Erstellung der Seite verwende ich ein kostenloses WordPress Theme namens „Oblique“, bei dem man zwar ziemlich viele Einstellungen vornehmen kann, aber längst nicht alle. Ich habe also den Hersteller kontaktiert, um mir bei einer kleinen Veränderung zu helfen.

Antwort: Tut uns leid, aber solche Anpassungen machen wir nicht. Wenden Sie sich an einen professionellen Programmierer oder schauen Sie sich das Portal https://www.fiverr.com/ an. Dort werden kleine Programmierarbeiten schon für 5 $ angeboten.

Erst war ich begeistert, dann abgeschreckt. Kann man für 5 $ wirklich gute Arbeit anbieten?

Ich wollte es ausprobieren und habe 3 Programmierern mein 5-$-Problem erklärt.

Fazit: Einer meldete sich gar nicht, einer sagte, eine Lösung sei technisch nicht möglich und der dritte hat das Problem auch nach mehrmaliger Erklärung nicht verstanden. Am Ende habe ich mich selber reingefuchst und einen Workaround gefunden.

So, meine Seite steht also. Was aber ist mit den 5-$-Jobbern? Auf dem Portal kann man nicht nur Programmierer finden, es gibt auch Illustratoren, Sänger, Schauspieler, Regisseure, …tausend andere Angebote, u.a. auch Schriftsteller, die alles schreiben, was man so braucht. Warum erwähne ich das eigentlich? Ich will keine Werbung für das Portal machen, ich will es auch nicht verteufeln. Ich frage mich einfach, ob es möglich ist, von 5 $ pro “Gig” (so nennt die Plattform eine Arbeitseinheit) zu leben oder ob man sich mit höheren Preisen gegen die Niedrigpreiskonkurrenz durchsetzen kann… es juckt mich ja schon in den Fingern, irgendwas für 5 $ zu bestellen: Ein kleines Logo, oder ein Jingle oder ein Video oder eine kleine Illustration. Die Vorstellung gleicht dem Gefühl, beim Discounter ein besonders günstiges Schnäppchen gemacht zu haben. Gleichzeitig schleicht sich aber auch das schlechte Gewissen ein: Nutze ich den Freelancer aus? Wenn er wirklich nur 5 Minuten für mein Logo braucht, fände ich 5 $ in Ordnung, aber wenn er eine Stunde braucht, oder zwei? Was ist mit Mindestlohn, was ist mit seinen Sozialleistungen, wie zahlt er für seine Rente ein? Gibt es in seinem Land so etwas überhaupt oder sind 5 $ vielleicht sogar verhältnismäßig viel? Fragen über Fragen…

Andererseits: wenn ich mich an den Designer meines Vertrauens wende, bin ich ein paar 100 € los und mein Logo kommt erst nächste Woche. So ist das Portal eben doch etwas für winzige Jobs – Jobs, die man sonst vielleicht gar nicht vergeben würde. So würde sich hier quasi ein zusätzlicher Markt auftun und nicht nur einer, der in Konkurrenz zum lokalen Markt steht. Ich bin immer noch unsicher. Da hilft wohl nur ein neuer Selbstversuch. Ich bestelle jetzt einfach für 5 $ ein Bild zum Thema „Das 5-$-Problem“. Wenn das Bild da ist, werde ich es posten.

Und jetzt muss ich meiner eigentlichen Arbeit nachgehen: Kapitel 14: Die Flucht

 

 

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FrankWie gut, dass ich ein Künstler bin - Theresa HannigDie 5-$-Lösung - Theresa Hannig Letzte Kommentartoren
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Frank
Gast

Das ist das bekannte Problem: Freiberufler-Jobs werden so lausig bezahlt, dass man eigentlich deswegen verarmt. Es ist ne Zwickmühle. Ja, preiswert. Qualität kannst Du aber nicht erwarten, weil sie nicht adäquat bezahlt wird.

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[…] habe vor wenigen Tagen das dritte Bild zu meinem 5-$-Problem bekommen. Hier ist […]

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[…] Vor ein paar Tagen hatte ich mir darüber Gedanken gemacht, ob es moralisch vertretbar, sinnvoll oder sogar eine tolle Idee ist, Microjobs für 5 $ zu bestellen. Den Blogpost dazu findet Ihr hier. […]