Rede von Natalja Schmidt zur Seraph 2019 Preisverleihung

Am 21.03 2019 hielt Natalja Schmidt – die 2. Vorsitzende der Phantastischen Akademie auf der Leipziger Buchmesse anlässlich der Preisverleihung des Literaturpreises Seraph eine Rede zum Thema Diversität in der Phantastik.

 

 

Da der Ton leider nicht optimal ist, hier ein Transkript der Rede:

(…) Dass unser Anspruch nach wie vor ist, dass wir uns der Forderung und der Anerkennung phantastischer Literatur als gleichwertige Literaturgattung verschrieben haben. Ich glaube, wir sind uns alle einig, 100% erreicht haben wir das Ziel noch nicht. Eine Selbstauflösung steht 2019 nicht zur Debatte.

Aber man kann natürlich sagen, dass seit 2012 trotzdem viel erreicht wurde, dass sich viel bewegt hat. Wieland Freund schrieb kürzlich im Feuilleton der FAZ [Korrektur: Wieland Freund arbeitet für die WELT]  über N. K. Jemisins „Zerrissene Erde“: „Der Klimawandel hat die High Fantasy erreicht. In diesem unscheinbaren Taschenbuch wird Literaturgeschichte geschrieben.“

Das freut mich natürlich wahnsinnig für eine großartige Autorin wie Nora Jemisin, dass sie es ins deutsche Feuilleton geschafft hat. Noch viel mehr freuen würde es mich aber natürlich, wenn die Medien auch mehr deutsche Autorinnen und Autoren der Phantastik in den Fokus nehmen würden. Denn wenn die Short- und Long-List des Seraph in diesem und in den Vorjahren eines zeigen, dann, dass sich auch in der deutschsprachigen Phantastik die anderen Stimmen regen. Die diversen stimmen. Leute, die originelle, innovative Ideen haben und die reinbringen, die sich neue Settings überlegen, neue Figuren und neue Welten. Und das sind nicht nur diejenigen, die hier auf unserer Short-List für das beste Debüt stehen, für den besten Indie. Auch die Alteingesessenen im phantastischen Dorf überlegen sich oft, dass sie noch mal neue Wege gehen wollen, dass sie sich noch einmal neu ausprobieren, und noch einmal neu erfinden wollen. Was ich eine großartige Entwicklung finde. In den traditionellen Medien und im Buchhandel wird es allerdings auch eben nicht so wahrgenommen. Da setzt man aus vielerlei Gründen lieber oft noch auf das Altbekannte. Und überhaupt das Altbekannte, und wie schwer es ist da auch einmal durch Türen zu stürmen, das haben wir in den letzten Wochen gesehen. Unsere Vorjahressiegerin im besten Debüt, Theresa Hannig, hat eine Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen erstellt und hat die auf die Wikipedia gestellt. Man sollte denken…. (APPLAUS)

Ich sehe, wir ernten große Zustimmung und wir sagen, das ist ein gutes Unterfangen ein wichtiges Unterfangen und ein harmloses dazu. Aber diese Liste kämpft sich gerade durch den 2. Löschantrag in einer Woche. Wegen mangelnder Relevanz. Man kann dazu nun sagen, dass selbstverständlich die „Liste aller Nebendarsteller der Serie in aller Freundschaft“ oder die „Liste aller Lokomotiven und Triebwagen der Deutschen Süd Bahn“ selbstverständlich relevant genug sind, um bestehen zu bleiben.

Persönlich hoffe ich sehr, dass, wenn ich von der Messe komme, dass diese unsägliche Diskussion im Dienste der deutschen Science-Fiction-Autorinnen entschieden worden ist. Aber man sieht eben auch daran, wie schwer es ist, zum einen für unser Genre als relevant wahrgenommen zu werden, und dann insbesondere noch einmal für Gruppen die es traditionell in diesem Genre auch schwerer haben und die vielleicht das Rampenlicht erst seit kürzerer Zeit auch für sich gewonnen haben.

(APPLAUS)

Ich würde mir wünschen, dass wir alle dazu beitragen in 2019 diesen anderen Stimmen, diesen neuen Stimmen diesen diversen Stimmen mehr Raum zu geben. Ich würde mir wünschen, wir nehmen und alle vor, ein Buch zu lesen, was unserem üblichen Beuteschema widerspricht; ein Buch zu lesen mit einer neuen Stimme; ein Buch zu lesen von einer unbekannten Autorin, einem unbekannten Autor; ein Buch zu lesen, wo wir vielleicht sagen: Normalerweise ist das nicht mein Ding. Ich glaube es gibt hier nichts zu verlieren und sehr viel zu entdecken.

 

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