Ich gebe auf – warum ich mich nicht länger weigere, WhatsApp zu benutzen

Im Zuge einer bedingungslosen Kapitulation und der (gefühlten) Aufgabe meiner Ideale werde ich Teil des WhatsApp Netzwerks. Ich habe erkannt, dass die Nachteile und die gesellschaftliche Isolation, die meine Familie und ich durch das Nicht-Beteiligen an WhatsApp erfahren, mittlerweile so groß geworden sind, dass ich es nicht länger vertreten kann, dem Netzwerk fern zu bleiben.

Ich tue dies mit großem Bedauern und unter Protest. Denn nach wie vor gelten meine Bedenken, was die Datenschutzrechtlichen Probleme von WhatsApp und den weltweiten Einfluss von Facebook betrifft. Ich würde es vorziehen, kein WhatsApp zu benutzen, weil ich die Art und Weise des Datensammelns und der Datenverarbeitung zum Profiling der Bürger ablehne.

Ich habe aber erkannt, dass meine Verweigerung mir und meiner Familie im gesellschaftlichen Kontext mehr Schaden zufügt, als das Fernbleiben bewirkt. Lange war ich davon überzeugt, dass die wirklich wichtige Kommunikation nach wie vor persönlich stattfinden würde und ich somit weiterhin auch ohne WhatsApp am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könnte. In letzter Zeit hat sich diese Annahme aber zusehends als falsch erwiesen. Da ein stetig wachsender Teil der Interaktionen ausschließlich über WhatsApp erfolgt, werden die Nachteile, die man als Nichtbenutzer erfährt jeden Tag größer.

Ich als Individuum habe dem Facebook Konzern nichts entgegenzusetzen. Nach wie vor hoffe ich darauf, dass wir es schaffen, Facebook durch politische Steuerung in die Schranken zu weisen. Wir müssen Facebook dazu bringen, geltende Datenschutzgesetze einzuhalten und darüber hinaus so regulieren, dass die Privatsphäre der Bürger und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wieder beachtet und geschützt werden. Meine Bemühungen als Einzelperson sind angesichts der Übermacht des Facebook Konzerns, des WhatsApp Netzwerks und der Kommunikationsgewohnheiten der Menschen um mich herum vergeblich.

Ich werde nach wie vor zusätzlich alternative Messenger (wie Signal, Telegram, Threema, o.ä.) benutzen, die mehr Wert auf Datenschutz legen, und möchte andere Menschen dazu aufrufen, dies ebenfalls zu tun. Der Netzwerkeffekt bedingt, dass diese Messenger genauso interessant und erfolgreich wie WhatsApp sein können, wenn genug Menschen sie verwenden. Vielleicht wird so, oder durch zukünftige Entwicklungen die Nutzung von WhatsApp eines Tages wieder überflüssig.

 

 

 

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Gregor
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Gregor

Hallo, na dass nenne ich fast synchron 🙂 Habe das „Problem“ vor ca. 2 Wochen nach jahrelangem Widerstand durch ein Prepaid Zweithandy gelöst, welches ich nun nur für WhatsApp im WLAN nutze und nur abends lese.