Am 7.7.26 fand im Amplifier in Berlin die Kollaborative Tagung zu Innovation und Transfer, powered by Science-Fiction der RWTH Aachen statt.
Gemeinsam wollten wir herausfinden, wie wir die aktuellen Themenfelder Klima, Medizin und Weltraum mit Methoden der Science-Fiction adressieren und neue Narrative für sie finden können. Denn allzu oft fühlen wir uns im Angesicht dieser Probleme überwältigt und finden keinen Zugang zu konstruktiven Lösungen. Um diese Ohnmacht zu überwinden und neue Wege zu erkunden, bestand ein Teil der Tagung aus drei Workshops:
- Science-Fiction mit Isabella Hermann zum Thema Weltraum
- Embodied Futures mit Martin Ciesielski zum Thema Gesundheit
- Story Telling zum Thema Klima mit mir.
In meinem Workshop konnten die Teilnehmenden erleben, wie mit Methoden des Science-Fiction Story Tellings, der Improvisation und der positiven Verstärkung a la „ja und….“ positive Wege aus scheinbar festgefahrenen Situationen gefunden werden können. Das Ziel war dabei nicht, fertige Produkte zu entwickeln, sondern vielmehr neue Denkmuster und kreative Ideen zuzulassen, die gerne auch absurd oder chaotisch sein dürfen.
Im Zuge des Workshops entstanden 5 Szenarien, die im Team skizziert und diskutiert wurden. Damit die Ideen nicht einfach im Nichts verschwinden habe ich aus den Notizen, Bildern, Passagen und Kommentaren der Fünf Teams vier kurze Stories und ein Gedicht geschrieben. Teilweise wollten die Teilnehmenden als Ideengeber*innen genannt werden, teil weise nicht. Es gibt natürlich keine Garantie dafür, dass meine Ausarbeitungen den Vorstellungen aller Teilnehmer*Innen gerecht werden, aber ich habe mir Mühe gegeben, ihre Kernideen so gut wie möglich beizubehalten.
Viel Spaß beim Lesen!
Foto: David Beecroft
1. TEAM: DASS – 2051
Problem: Die Gesellschaft ist nicht in der Lage Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen wird ständig Versucht, die Schuld auf andere zu schieben!
Lösungsmethode: Eskalation bis es kippt!
Mögliche Zukunft: DASS als Lebensphilosophie und Religion
Konzept-Team: Anonym
Erzählweise: Großmutter erzählt…
DASS
„Ich kann nicht schlafen, Oma“, sagt Anna. Oma lächelt und streicht ihrer Enkelin über das Haar. „Es ist schon spät“, sagte sie.
„Ich bin aber noch gar nicht müde“, sagt Anne und gähnt. „Und ich habe Durst.“
Als Oma pflichtschuldig ein Glas Wasser gebracht hat, sagt Anna: „Und draußen ist es noch ganz hell!“
Oma dreht sich zu den Fenstern um, die komplett verdunkelt sind. Nur ein haarfeiner glühender Rahmen noch zu erkennen.
„Ich hab dir schon die Decke ausgeschüttelt, ein Lied gesungen und Wasser gebracht… ich glaube, jetzt ist es wirklich Zeit zu schlafen.“
„Noch eine Geschichte. Bitte Oma, nur eine!“
„Was denn für eine Geschichte?“
Anna überlegt, sieht sich mit großen Augen im schummrigen Zimmer um, das – wenn sie nicht zu Besuch ist – vor allem als Nähzimmer und Abstellkammer verwendet wird. Tausend und ein Schatz sind hier zu finden. Alte Radios, Küchengeräte, kaputte Stühle, die niemand mehr repariert, dazu Decken und Figuren, Bücher aus anderen Zeiten und Kisten voller kostbarer Erinnerungsstücke.
„Erzähl mir von früher, als die Welt noch schlimm war. Und wie du Opa kennengelernt hast.“
„Das hab ich doch schon hundertmal erzählt.“
„Egal!“
Niemand kann so enthusiastisch egal sagen wie Anna, also seufzt Oma, macht es sich neben dem Bett auf einem Sitzkissen bequem und erzählt.
„Opa und ich haben uns in der Zeit der Polykrise kennengelernt…“
„Was ist Ponykrise? Gab es da keine Pferde mehr?“
„Nein, Polykrise bedeutet, dass man viel Probleme auf einmal hat. Und keines davon löst.“
„So wie wenn das Essen verbrannt ist, aber der Lieferdienst dann die Adresse mit dem Navi nicht findet?“
„So ungefähr. Jedenfalls gab es eine Menge Probleme, aber niemand hat sich getraut sie zu lösen, weil sie alle so groß und kompliziert waren.“
„Warum habt ihr nicht die KI gefragt? Wenn ich eine Aufgabe in Mathe nicht kann, frag ich auch immer die KI und die kennt die Lösung.“
„Und was, wenn die KI nicht funktioniert? Wie rechnest du dann?“
„Wieso sollte die KI nicht funktionieren?“, fragte Anna und schaut ihre Großmutter dabei mit einem Blick an, als habe sie gefragt, wie Anna ohne Daumen auskommen würde.
„Das spielt jetzt keine Rolle“, sagt Oma seufzend. „Jedenfalls gab es damals noch keine KI“.
Anna schüttelt ungläubig den Kopf. Oma ist so alt! Wenn sie sich noch an die Zeit vor der KI erinnert, hat sie vielleicht auch den Bau der Pyramiden miterlebt.
„Also“, sagt Oma laut, um den Faden wieder aufzunehmen. „Opa und ich wohnten in zwei Ortschaften, die miteinander verfeindet waren. So ein bisschen wie bei Romeo und Julia.“ Oma lächelt, aber Anna weiß nichts damit anzufangen. Oma überlegt. „So wie bei euch in der Grundschule. Da gibt es doch auch verschiedene Fraktionen.“
Anna nickt. „Ja, die Drachen, die Löwen, die Orcas und die Adler.“
„Und du bist bei den Drachen?“
„Na klar!“
„Und was ist mit den Löwen und den Orcas?“
„Sie sind alle blöd. Nur die Drachen sind in Ordnung.“ Oma nickt und macht sich eine mentale Notiz, das pädagogische Konzept der Schule nachzuschlagen.
„Jedenfalls war es bei Opa und mir so wie bei dir mit den Löwen oder den Orcas. Wir haben uns geliebt, aber es war eine verbotene Liebe. Denn ich kam aus Flauthausen. Bei uns war es nachts immer herrlich still, bis im Nachbarort Windingen lauter Windkraftanlagen gebaut wurden. Die wehten Tag und Nacht und haben uns mit ihrem Surren in den Wahnsinn getrieben. Opa kam aus Windingen, also mochte ich ihn am Anfang natürlich nicht. Aber als wir uns dann bei einer Anti- Windkraft-Demo kennengelernt haben, wurde uns klar, dass wir einen gemeinsamen Feind haben: Die Leute aus Stromstadt, die den ganzen Profit der Windkraftanlagen eingestrichen haben. Erst als wir erkannt hatten, dass die anderen Schuld sind, stand unserer Liebe nichts mehr im Wege.
„DASS! Ein Glück, DASS!“, sagt Anna pflichtschuldig und streckt den Finger nach oben.
„Genau“, pflichtet Oma ihr bei. „Wir waren damit an der Speerspitze der Bewegung, ohne es zu wissen. Und unser gemeinsamer Hass auf Stromstadt war ja nur der erste Schritt. Denn lange Zeit haben wir unsere Energie darauf verschwendet, Schuldige für unsere Probleme zu finden, damit wir uns gegen sie verbünden können – um sie dazu zubringen, die Probleme zu lösen… was fast nie geklappt hat. Auch unsere Politiker haben das so gemacht. Als die Temperaturen immer weiter nach oben gingen: Da waren natürlich die Chinesen mit ihrem dreckigen Wirtschaftswachstum dran schuld. Als die Autoindustrie kaputt ging und ich meinen ersten Job verlor: Da waren natürlich die USA mit ihren Zöllen schuld. Als die Strompreise stiegen – da waren natürlich die Grünen mit der Abschaltung der Atomkraftwerke Schuld. Und als der Atlantik leergefischt war, da waren natürlich die Fangflotten von Senegal und Marokko schuld. Aber die beschuldigten die Russen und die die Türkei und die die EU und die die Chinesen. Also fragten wir die KI, wer denn noch schuld sein könnte und siehe da, die KI fand endlich eine Antwort.“
„DASS!“, ruft Anna und zeigt wieder nach oben. „Die Anderen sind schuld!“
„Genau! Die Anderen – die ganz anderen. Die Aliens! Sie sind Schuld an allem! Endlich war alles ganz klar: Alle Probleme, die uns bedrückten, konnten wir gar nicht lösen, denn die Aliens waren schuld. Diese unerklärlichen, unsichtbaren Aliens, die mit uns Menschen noch nie direkten Kontakt aufgenommen hatten, aber durch die schlimme Probleme der Menschheit ihre Anwesenheit bewiesen. Je mehr Leute die KI nach den fiesen Außerirdischen fragten, desto klarer wurden die Antworten: Ja, die Aliens sind Schuld an allem. Und das hat uns schließlich gerettet. Denn seit wir wissen, dass die Aliens schuld sind, hat es keinen Sinn mehr, darauf zu warten, dass die Schuldigen die Probleme lösen. Wir müssen es selber tun. Gemeinsam – um gegen die gemeinen Aliens eine Chance zu haben. Und so wurde DASS immer größer, bis es schließlich zur größten Bewegung, ja zur größten Religion des Planeten wurde. Filme, Songs, Social Media – alles drehte sich nur noch um DASS und wie wir als Menschheit zusammenhalten müssen, um den Aliens die Stirn zu bieten.“
„DASS ist super!“, sagt Anna.
„Und weil die Aliens auch daran schuld sind, dass du nicht einschlafen kannst, mein Schatz, wirst du ihnen jetzt zeigen, dass du dir das nicht gefallen lässt, oder?“
„Ja, von denen lasse ich mir nichts sagen. Jetzt schlafe ich ganz schnell ein!“
„Gute Nacht, mein Schatz!“
„Gute Nacht, Oma.“
-Ende
2. TEAM: Die 15 Minuten Stadt – 2100
Problem: Alles voller Asphalt! Die Städte sind voller Autos, bieten keine Aufenthaltsqualität und überhitzen.
Lösungsmethode: In kleinen Schritten in eine bessere Zukunft
Mögliche Zukunft: Die 15 Minuten Stadt
Konzept-Team: Linnet Moxan, Stefanie Hennig, Alexander Uhlmann, Karsten Haustein, Jane Hergert
Erzählweise: Großmutter erzählt…
Die 15 Minuten-Stadt
„Lass mich mal Sitzen!“, sagt Uroma und hält sich an Darios Arm fest. Mit einem Ächzen lässt sie sich auf die Stufen vor der Haustür gleiten, gefolgt von einem zufriedenen Seufzen. Sie reibt sich das Bein, das wie immer schmerzt, wenn das Wetter umschlägt.
Dario setzt sich vorsichtig neben sie auf die Steintreppe. Sie sind noch ganz warm von der Hitze des Tages. Angenehm, denn der Wind frischt gerade auf und wird bald ein Gewitter über ihnen ausgießen. In der Ferne spielen sich schon dunkelgraue Wolken am Himmel auf.
„Was ist mit deinem Bein?“, fragt Dario.
„Ach, das hab ich mir mal vor ewigen Zeiten gebrochen.“
„Und das tut immer noch weh?“
„Ja, ist damals nicht gut versorgt worden.“
„Aber Leonie hat sich doch auch das Bein gebrochen und da merkt sie gar nichts.“
„Erstens ist deine Schwester flotte 16 Jahre und zweitens ist die Medizin heute ein gutes Stück weiter. Damals… war das anders… ist eine lange Geschichte… aber sie geht gut aus!“
„Erzähl!“
„Na gut. Damals… das war so Ende der Zwanziger… da bin ich im Winter auf dem Gehweg gestürzt. Es hatte ein paar Tage hintereinander geschneit, aber wie immer war nur auf der Straße geräumt worden, nicht auf dem Gehweg.“
„Wieso das denn?“
„Damals hat man noch zwischen wichtigen und unwichtigen Verkehrsteilnehmern unterschieden und Autos waren eben am wichtigsten.“
„Warum?“
„Tja, warum… kann ich heute gar nicht mehr genau sagen…“
„Komisch…“
„Die Zeiten ändern sich. Jedenfalls bin ich auf einer Eisplatte ausgerutscht und richtig blöd hingeknallt und knacks war das Bein gebrochen. Ich musste operiert werden und erst dachte ich, alles läuft gut. Aber die Wunde ist nicht richtig verheilt, Krankenhauskeim nannte man das damals. Ich musste immer wieder hin, aber bis ich einen Termin bekam vergingen manchmal mehrere Monate und dann war es wie verhext: Im Frühling gab es Überschwemmungen wegen Starkregen, sodass ich nicht zu meinem Krankenhaustermin konnte; ein paar Wochen später war es dann so trocken, dass der Stadtpark gebrannt hat und das Krankenhaus evakuiert werden musste. Im Sommer wurde es so heiß, dass die Leute in der Klinik in Ohnmacht gefallen sind und in klimatisierte Räume gebracht werden mussten – mein Termin fiel wieder aus. Und als ich am nächsten Tag hinfahren wollte, fuhr die Straßenbahn nicht, weil sich die Gleise in der Hitze verzogen hatten. Da hat es mir dann gereicht. Mein Bein ist auch so wieder verheilt… ein bisschen schief und mit einer komischen Narbe. Aber ich habe überlebt. Und ich hatte eine Wut in mir, das kannst du dir nicht vorstellen. Und nicht nur ich. Wer kein Auto besaß und keinen Garten, wer keine Klimaanlage hatte und keine Möglichkeit, sich abzukühlen war in dieser Stadt sich selbst überlassen. Wie Dörrobst warteten wir in unseren heißen Wohnungen darauf, dass endlich die Abkühlung kommen würde.“
„Und kam sie?“
„Ja, und zwar schneller als du denkst. Wir haben uns nicht darauf verlassen, dass die Politik irgendwann die Probleme löst, wir haben unser Schicksal selbst in die Hand genommen. Und in einer besonders heißen Nacht haben wir uns Hacken, Spaten und Setzlinge geschnappt und 20 Bäume gepflanzt. Mitten auf die Straße! Wir haben ein Schild aufgestellt und die Straße als Fußgängerzone markiert.“
„Und das hat geklappt?“, fragt Dario.
„Natürlich nicht… also nicht gleich. Die Bäume wurden am nächsten Tag vom Bauhof entfernt. Aber dann haben wir es in der nächsten Nacht einfach wieder versucht. Diesmal nicht nur mit Bäumen sondern auch mit schweren Hochbeeten. Und wir hatten einige Verbündete im Bauhof, die die Schlüssel für die städtischen Wagen sagen wir mal… versteckt haben. Es hat auf jeden Fall viel länger gedauert die Bäume zu entfernen als beim ersten Mal. Und das haben wir dann jede Nacht gemacht… war auch zu einfach. Als die Straße erst mal aufgerissen war, musste man ja nur noch einen Baum reinstellen und fertig. Die Bauhofmitarbeiter hatten auch irgendwann Wochenende und dann waren Sommerferien und in der Stadtverwaltung wollten viele nach Mallorca fliegen und irgendwie hat sich das alles dann verselbstständigt. Eines nachts kamen wir zu unserer Straße und da waren schon Bäume gepflanzt! Eine andere Gruppe hatte sich schon darum gekümmert. Da haben wir einfach die nächste Straße aufgerissen und die Bäume dort hineingestellt.“
„Und dann?“
„Dann kamen tagsüber immer mehr Leute, die unter dem Schatten der Bäume Schutz gesucht haben, weil es dort angenehm kühl war. Sie protestierten, als die Stadt versuchte, die Bäume zu entfernen. Irgendwann wurde eine richtige Demonstration daraus. Und weil eben Sommerferien waren, hatten viele junge Leute Zeit und Lust, in der Stadt unter den neuen Bäumen zu campen. Und, naja, was soll ich sagen, als der Stadtrat dann zustimmte, die eine Straße grün zu belassen, waren die Leute nicht mehr zu halten. Innerhalb von 10 Jahren wurde die Hälfte der Innenstadt mit Bäumen bepflanzt. Wir wurden eine richtige Waldstadt. Das hat alles verändert: Leben, wohnen, Geschäfte, aber vor allem natürlich die Mobilität. Alles musste ab jetzt in 15 Minuten zu Fuß erreicht werden, denn mit dem Auto war ja kein Durchkommen mehr. Nur die Straßenbahntrasse haben wir frei gelassen. Da verstecken sich oft die Füchse im hohen Gras!“
„Ja, ich seh da drüben einen!“, ruft Dario und springt auf. Der Donner grollt, und gerade als ein roter Schatten geschmeidig über die Gleise huscht, beginnt es zu regnen.
3. TEAM: Mallorca – 2030
Problem: Der Mallorca Urlaub ist in Gefahr!
Lösungsmethode: Eskalation bis es kippt!
Mögliche Zukunft: Ein Deutsches Mallorca im Lausitzer Seenland etablieren
Konzept-Team: Ingrid, Ana, Katarina, Michael
Erzählweise: TAFF Episode
| BILD | TON |
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OPENER TAFF-Vorspann wie immer. |
Titelmusik. |
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THEMENANRISS Grafiken / kurze Bilder zu den drei Themen: • Mallorca-Urlaub in Gefahr |
MOD OFF „Mallorca-Urlaub in Gefahr? Wie zwei findige Urlauber die Ferien der Zukunft retten. Der Totale Taff Test: Die besten Biokraftstoffe für Ihren Verbrenner-Oldtimer. Fußball im Trend: Warum immer mehr Nationalspielerinnen mehr Prämien bekommen als ihre männlichen Kollegen.“ |
| TAFF-Vorspann endet wie immer. | Titelmusik blendet aus. |
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MODERATION Schnitt auf das Studio. Moderatorin steht im Zentrum und lächelt in die Frontkamera. |
MOD (KAMERA 1) „Herzlich willkommen zu TAFF – Ihrem täglichen Wissensupdate.“ |
| Blickwechsel auf Kamera 2. |
MOD (KAMERA 2) „Haben Sie schon Ihren Urlaub gebucht? Der Sommer ist nicht mehr weit und wie immer zieht es die Deutschen massenhaft an die Strände dieser Welt. Unangefochtener Meister seit Jahrzehnten: das 17. Bundesland, das Wohnzimmer der Deutschen, Sehnsuchtsort für die einen, schrecklicher Schandfleck deutscher Saufunkultur für die anderen. Ich spreche natürlich von Mallorca. Und jetzt kommt die Insel der Balearen nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus, denn: Der Mallorca-Urlaub ist in Gefahr. Ein Bericht von Kathrin Schnoll.“ |
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BEITRAG Man sieht die Reporterin Kathrin Schnoll, wie sie über die berühmte Schinkenstraße in Palma geht. Es ist offensichtlich sehr heiß. Die Sonne brennt, der Himmel ist klar, aber keine Touristen weit und breit. Alle Bars und Cafés an der Strandpromenade sind leer. |
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| Kathrin spricht ins Mikrofon. |
REPORTERIN (ON CAM) „Ich befinde mich hier in der berühmten Schinkenstraße in El Arenal am Ballermann. Und wo man sonst kaum einen Quadratmeter ohne deutsche Touristen findet, ist alles leer. Keine Deutschen mehr da, keine Touristen. Was ist da los?“ |
| Schnitt. Kathrin interviewt einen spanischen Barbesitzer. | O-TON (SPANISCH) |
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KI-SYNCHRONISATION „Ja, früher war hier alles voll. Schon ab 14 Uhr musste ich die ersten betrunkenen rausschmeißen. Das hat auch genervt, aber es hat uns den Lebensunterhalt gesichert. Und jetzt? Jetzt sind die Touristen alle weg.“ |
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REPORTERIN (ON CAM) „Woran liegt das?“ |
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KI-SYNCHRONISATION „An der Hitze. Das halten die nicht mehr aus. Also … vor allem nicht die Deutschen, wenn sie fünf, sechs Liter Bier getrunken haben.“ |
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REPORTERIN (ON CAM) „Könnt ihr nicht die Klimaanlage laufen lassen?“ |
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KI-SYNCHRONISATION „Machen wir doch schon, es hilft nichts. Die Deutschen wollen draußen sitzen, schönes Wetter haben und kühle Luft. Aber das geht nicht. Und dann die Stürme. Da will keiner mehr im Meer baden gehen.“ |
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| Schnitt auf die Reporterin, die neben einem leeren Hotelpool steht. Neben ihr eine Hotelservicekraft. |
REPORTERIN (ON CAM) „Und das ist ein Problem, denn auch die Hotelpools sind leer.“ |
| Die Reporterin wendet sich zur Hotelservicekraft. |
REPORTERIN (ON CAM) „Was ist hier los? Waren die Deutschen so durstig, dass sie jetzt den Pool leer getrunken haben?“ |
| Die Frau schaut irritiert, dann antwortet sie in exzellentem Deutsch mit nur einem Hauch spanischem Akzent. |
HOTELSERVICEKRAFT „Nein, das liegt an der Dürre. Die anhaltende Trockenheit hat dafür gesorgt, dass das Wasser stark rationiert werden muss. Wir dürfen die Pools nicht mehr befüllen und die Rasenflächen nicht mehr wässern. Aber die Kunden haben keine Lust auf strohgelbe Golfplätze und leere Pools.“ |
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REPORTERIN (ON CAM) „Haben Sie mal versucht, den Touristen was anderes anzubieten?“ |
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HOTELSERVICEKRAFT „Natürlich, wir haben alles versucht: Von Museumsführungen über Konzerte, DIY-Workshops, Lesungen und Wandertouren. Aber das hatte keinen Erfolg. Pool, Bier, Strand … das wollen die Deutschen. Und seit das nicht mehr geht, kommt auch keiner mehr.“ |
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REPORTERIN (ON CAM) „Das heißt, die Existenz Ihres Hotels ist in Gefahr?“ |
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HOTELSERVICEKRAFT (traurig) „Mallorca ist in Gefahr.“ |
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Die Kamera schwenkt nach oben in den Himmel, wo sich schon wieder erste Gewitterwolken zusammenbrauen. Ein Blitz zieht durch die Wolken und es donnert. |
Donner. |
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Schnitt. |
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Man sieht, wie die Reporterin durch die Straßen läuft, während es stark regnet, blitzt und donnert. |
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Dann Bilder von Überschwemmungen in Palma. Dann die Reporterin in einem Flugzeug, wo es offensichtlich Turbulenzen gibt. Sie sieht nachdenklich aus dem Fenster. |
REPORTERIN (OFF / GEDANKEN) Und auch ich war ganz schön in Gefahr. Nach der Dürre der letzten Monate folgte eine Sturmflut, die die halbe Insel unter Wasser gesetzt hat. Ein Glück, dass ich den letzten Flieger nach Hause bekommen habe. Aber was tun? Malle ist doch mindestens einmal im Jahr. Wie sollen wir denn jetzt unseren Urlaub genießen? Dass die Ticketpreise durch die neue CO2 Steuer in den letzten Jahren immer teurer geworden sind hat dem Ganzen auch nicht geholfen. |
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Dann sieht man, wie sie eine Idee hat. |
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Eine Comic-Landkarte wird eingeblendet, auf der das Flugzeug zu sehen ist, wie es von Mallorca über das europäische Festland fliegt. Deutschland wird blau wie das Mittelmeer angezeigt und darin: Sachsen als Insel. Einblendung: „Sachsen statt Mallorca“ |
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Schnitt |
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Man sieht die Reporterin in Urlaubskleidung an einer Strandbar stehen, einen rosa Cocktail mit Schirmchen in der Hand. Musik läuft, überall sind gut gelaunte Leute, die feiern, tanzen und sich unterhalten. Sie nimmt einen Schluck aus ihrem Cocktail. Neben ihr stehen zwei gutaussehende, sehr braun gebrannte und beach-body Besitzer*innen Mitte Zwanzig und grinsen etwas unsicher in die Kamera. |
REPORTERIN (ON CAM) Warum in die Ferne schweifen, wenn das gute liegt so nah. Das haben sich Kevin und Chaeynne gedacht, als ihr letzter Mallorca Urlaub wegen Waldbrand abgesagt werden musste. Traurig, was ist da passiert? |
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Kevin (on CAM) |
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Reporterin (ON CAM) Traurig! |
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Chaeynne (ON CAM) Ja! Aber dann haben wir uns gedacht. Wenn Mallorca brennt, dann fahren wir halt nach Sachsen. Da ist es auch schön und auf der Lausitzer Seenplatte ist viel Platz. |
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Kurzer KI generierter Infotainment Block, der anhand einer Wikipedia Grafik und eines Wikipedia Texts eingeschoben wird – der Sender kann damit seine Quote an pädagogisch wertvollen Inhalten erhöhen. Eine Kamerafahrt wird so verzerrt, dass das Ganze mit viel Phantasie kurzzeitig aussieht wie Mallorca. |
Die Gesamtausdehnung von Europas künftig größter künstlicher Seenplatte beträgt von West nach Ost sechzig – von Nord nach Süd vierzig Kilometer. Darin befinden sich 30 km feinste Sandstrände, die zum Sonnen, Baden, verweilen und Entspannen einladen. |
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Reporterin (ON CAM) Und dann habt ihr ein neues Mallorca in Sachen gegründet? |
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Chaeynne (ON CAM) So ungefähr. Zuerst haben wir nur ein Grundstück gepachtet und am See eine Bar wie am Ballermann aufgemacht. Das war dann so erfolgreich, dass wir ein bisschen dazugekauft haben. |
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Reporterin (ON CAM) Sie untertreiben. Die Leute haben Ihnen die Bude eingerannt. Innerhalb von 2 Jahren ist Ihr Sächsisches Mallorca zum Publikumsmagneten geworden, das 200.000 Urlauber und 200 angestellte pro Jahr versorgt. Das ist eine unfassbare Erfolgsgeschichte. |
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Chaeynne (ON CAM) Ja, das stimmt schon. Wir bieten alles an, was wir in Mallorca geliebt haben: Nicht nur Ballermann Partys, wir haben auch Ferienhütten im Finca-Stil bauen lassen, es gibt geführte Wanderungen, Höhlentouren, ausgezeichnete Fahrradwege und Weinverkostungen, einmal die Woche ist Mediterraner Markt, letztes Jahr hat auch der „Megapark 2“ eröffnet. Die Leute sind begeistert. |
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Von rechts grölt ein betrunkener Tourist ins Bild. Die Reporterin hält im gleich das Mikro hin |
Betrunkener (ON CAM) “Malle ist out Sachsen ist in. |
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Seine Kumpels lachen. Die Reporterin versucht, ihn zu interviewen. Aber er grölt nur weiter, genau wie seine Freunde. Die Situation eskaliert etwas. |
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Schnitt |
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Die Reporterin Sitzt an der Bar und interviewt ein Pärchen. |
Reporterin (ON CAM) Warum seid ihr hier?” |
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Frau (ON CAM) Es ist einfach super hier. Das Wetter ist mega. Nicht so heißt, nur um die 35 Grad. Der See ist ohne Salz, das brennt nicht so in den Augen. |
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Mann (ON CAM) Und sonst ist alles wie in Malle. Hier sprechen auch alle Deutsch mit einem komischen Akzent. |
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Die Reporterin dreht sich um zu einem anderen Paar. |
Reporterin (ON CAM) Was gefällt Ihnen an Mallorca in Sachsen? |
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Spanische Frau auf Deutsch mit spanischem Akzent (ON CAM) Ayo, es ist einfach wunderbar hier. Die Orangenbäume wie in der Heimat. Wie das duftet. Bei uns zu Hause ist alles vertrocknet, da wachsen keine Orangen mehr. Aber hier ist alles mit deutscher Gründlichkeit kopiert worden. So wie Mallorca Anfang der 2000er war. |
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Spanischer Mann KI übersetzt (ON CAM) Wir kommen nicht nur für den Urlaub her. Wir leben jetzt ganzjährig hier. |
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Die Reporterin lacht, ist offenbar schon etwas betrunken und prostet allen zu. |
Reporterin (ON CAM) Sie sehen also: Der Klimawandel hat auch sein Gutes. Auch wenn Villabajo im Meer versinkt… |
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Die Spanier gucken schockiert. |
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Reporterin (ON CAM) … geht die Party in villarriva weiter! |
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Die Reporterin hält ihren halb ausgetrunkenen orangenen Cocktail in die Kamera |
Reporterin (ON CAM) Das hier ist übrigens original Sächsischer Orangensaft. Und das ist noch nicht alles. Ich habe gehört, das Orangenöl, das aus den Schalen hergestellt wird, hat gerade einen Innovationspreis für als Bio Kraftstoff gewonnen. Ein echter Wirtschaftsboom in der Region und wenn man an der Ampel hinter einem Verbrenner steht, riecht es angenehm nach Orangen! Dazu dann mehr in unserer nächsten Reportage. Jetzt wird erst mal gefeiert. Ein Hoch auf Mallorca in Sachsen. |
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Die Reporterin stößt mit den andern an, im Hintergrund laufen aktuelle Ballermann Hits, die Kamera zoomt weg, wird zu einem Drohnen-Video das über der Region kreist. Man sieht die neo mediterrane Landschaft die sich am scheinbar endlosen Lausitzer Seenland erstreckt: Ferienhäuser mit Pools, Hotelanlagen, Orangenplantagen, und Mandelbäume und ein paar Esel, die friedlich dazwischen grasen. |
-Ende
4. TEAM: Biodiversität – 2027
Problem: Die Biodiversität geht verloren
Lösungsmethode: Realistische Sofortmaßnahme verbessert die Situation
Mögliche Zukunft: Auf Initiative einer Mitarbeiterin wird zusammen mit der BIMA ein Wettbewerb für ein Bepflanzungskonzept ausgeschrieben und umgesetzt
Konzept-Team: Anonym
Erzählweise: Zeitungsartikel
Artikel auf rbb24.de vom 28.10.2027:
Die Natur kehrt zurück. Modellprojekt der Bundesanstalt für Zukunftsforschung (BFZ) wird mit Biodiversitätspreis ausgezeichnet.
Sonntags gehe ich meistens mit meinem Hund am Campus am Jungfernsee spazieren. Dort gibt es frische Luft, viel Auslauf und im Zweifel können sich Hund und Herrchen hechelnd in den See stürzen, wenn die nächste Hitzewelle wieder zuschlägt. Einzig in der Nähe der Bundesanstalt für Zukunftsforschung (BFZ) musste ich meinen Hund immer an die Leine nehmen, denn auf der großen Grünfläche hinter dem Hauptgebäude wuchsen bislang Unmengen echter Wildlilien. Diese gelb leuchtenden Blumen sind zwar schön anzusehen, aber für Hunde äußerst giftig.
Seit letztem Jahr hat sich aber etwas getan: Dort, wo normalerweise nur strammes Gras wuchs, das im Sommer den Lilien Platz machte, erschienen in diesem Jahr immer mehr Tupfer auf der grünen Leinwand: rote Nichtnelken, violetter Salbei, weiß-gelbe Margeriten und blaue Kornblumen und vieles mehr. Die neue Farbenpracht war nicht nur zu sehen und zu riechen, sondern auch zu hören. Ein Summen und Brummen lag in der Luft und wer sich die Mühe machte, innezuhalten und nachzusehen, was sich auf der Weise tat, der entdeckte umgehend die unzähligen Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andern Insekten, die sich inmitten dieser neuen Vielfalt offensichtlich wohl fühlten und ihrerseits weitere Tiere wie Erdkröten, Teichmolche, Feldmäuse, Igel, Stieglitze und Goldammern anzogen. Was war passiert?
Auf Initiative einiger Mitarbeiterinnen (nicht wenige davon mit Hund) der BFZ sollte die Wiese aufgewertet werden. Der Antrag stieß bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), die die Liegenschaften der BFZ verwaltet auf offene Ohren. Es wurde eine Ausschreibung für Landschaftsarchitekt*innen gestartet, die ein neues ganzjähriges Blühkonzept erarbeiten sollten – aus Effizienzgründen am besten gleich für alle Grünflächen der BIMA. An dem Wettbewerb nahmen dann aber nicht nur Landschaftsarchitekt*innen teil, sondern auch eine 8. Klasse der Annie Francé-Harrar Gesamtschule in Potsdam, die in den vergangenen Schuljahren bereits mit ihrer Biologielehrerin Niloofar Khosravi entsprechende Versuche mit Hitzeresistenten Blühpflanzen gemacht hatte. Das Konzept wurde auf die Flächen der BIMA übertragen und gewann die Ausschreibung. Und nicht nur die: Letzte Woche wurden die BIMA und die (mittlerweile) 9. Klasse von Frau Khosravi mit dem Deutschen Biodiversitätspreis ausgezeichnet. Die Klassensprecherin Meron Lehman sagte bei der Preisverleihung: „Das Beste an Biodiversität ist, dass sie gleichzeitig die Welt verbessert, gute Laune macht und wunderschön aussieht.“
-Ende
5. TEAM: Die letzte Kartoffel auf dem Mars – 2086
Problem: Zu viele Ignoranten; komplexe Ursache-Wirkung-Beziehung
Lösungsmethode: Phantastischer Vorgriff in eine weit entfernte Zukunft
Mögliche Zukunft: Exodus zum Mars und Wiederkehr zu Erde
Konzept-Team: Anonym
Erzählweise: Großmutter erzählt…
Alternative Erzählweise von Theresa Hannig: Gedicht
Die letzte Mars-Kartoffel
Es war’n vor langer Zeit die Sommer
heiß und stickig, schwül gewittrig,
Seen und Meere viel zu warm,
an Biodiversität arm.
Auf zehn Stellen hinterm Komma
waren die Zusammenhänge,
Ursachen und Wirkungszwänge
In der Wissenschaft unstrittig,
gut erforscht und auch bekannt.
Doch zu komplex für Instagram.
So gab’s zu viele, die täglich und redlich zur Arbeit mit Mühe
Oft auch nur zum Spiele
Beim Fahren und Fliegen, in Automobilen
Durch Kauf und Konsum und beim Rausch und Nichtstun
Fossile Reptilie und uralte Öle mit Kohle quittierten
Und durch die Verbrennung zu aller Unwohle CO2 emittierten.
Die Forscher verstanden und riefen: Halt, stop!
Doch die Ignoranten begriffen es nicht und sagten: Haltet die Klappe!
Sie fuhren in ihren Monstertrucks,
gaben auf alles just zero fucks.
Sie kauften und kauten und bauten und bohrten
So billig und trendy und schnell und verfügbar
wie möglich und handy und mehr als der Nachbar.
Und als ihre Hütten und Gärten schon brannten
Da grillten sie schnell noch ein Stück Schweinenacken.
Die fruchtbaren Äcker verwehten als Staub.
Im Herbst keine Früchte, im Frühling kein Laub,
Die Felder ertranken in schlammiger Flut.
Was schief war und krank wurde nicht wieder gut.
Es fehlte an Mut und auch an Verstand
Denn die Ignoranten veränderte nichts.
Die Klima Konstanten veränderten sich.
Und am Ende war keiner dran Schuld.
Das elende Anthropozän – erst kürzlich so benannt –
Musste am Ende untergeh’n, stilecht durch Menschenhand.
Es konnte keiner widerstehen, zu spät für Widerstand.
Denn Terra unser Heim-System war da längst unbemannt.
Wer konnte, der floh in die Ecken der Welt:
Zum Nordpol, zum Erdkern, hinaus bis ins All.
Als einzige Zuflucht empfing uns der Mars
Dort gab es statt Freiheit und Zugluft und Gras
Ne Kuppel als Schallmauer, Schutz, Schirm und Stall.
Das Leben bestand nur noch aus Überleben:
Es aßen die Menschen statt Burgern und Bier
Nur Eiweißpasteten und Hartweizengrieß
Am Feiertag gab’s ‘ne Kartoffel.
Das machte den edelsten Mars-Kavalier
Beim Blick voller Sehnsucht aus seinem Verlies
Zum grimmigen Marsianer-Stoffel.
Fast zwanzig Jahrzehnte verharrten sie hier
Die armen Menschen-Teufel
Und fragten warum nur das Glück sie verließ
wie sie einst ihr seliges Erd-Paradies.
Drum schätzten und ehrten die Marsmenschen dann
auf ganz besondere Weise
Den Apfel der Erde, den Erdapfel sehr!
Kartoffel war Nahrung, Trost, Hilfe und Wahn.
Kartoffelbrei nährte, Kartoffelbrei gärte.
Aus Stärke ward Stärke aus Knollen das Glück
Und nach tausend Jahren Kartoffel-Diät
kehrten sie
Aus der Mars-Umlaufbahn
Ziemlich spät
Aber besser als nie
Auf die Erde zurück
Doch war die Ankunft für alle ein Schock:
Die Fauna war giftig, von stachliger Art
Es bissen und stachen die Zecken und Nissen
Der Regen war sauer, die Rinder nicht zart
Das Wasser voll Makro- und Mikr’organismen.
Die Menschen vom Erdkern war’n stoisch wie Stein.
Die Nordpoler kalt und gefühllos wie Stahl.
Mit Ihnen zu reden, zu handeln war Pein,
Zu lieben, zu hoffen, unmögliche Qual.
Doch hatten die zarten Marsianer Geschenke,
Gepäck und Gewissen und brachten zum Fest,
Nen ganzen Tank voll Hochprozentigetränke
Und Pommes rot-rot Marskartoffel-Gewächs.
Seitdem herrschen Eintracht und Frieden auf Erden.
Drei Menschengeschlechter versuchen’s noch Mal,
Verteilen Ressourcen und Macht jetzt gerechter
Und treffen sich friedlich als Potatoepals.
Wer seine Kartoffel isst, denkt an das Leben:
Wie kostbar und selten, fortan in Balance
mit Erde und Umwelt, und dankt für den Segen
Und Mutter Natur für die zweite Chance.
-Ende