Nach dem Buch ist vor dem Buch

Ich war zwei Tage auf der Frankfurter Buchmesse.

Das klingt ziemlich nüchtern, ist es im Nachhinein betrachtet auch.
Wenn ich an letztes Jahr denke, sollte diese Buchmesse 2017 MEINE große Buchvorstellung werden. Ein Jahr lang – seit der Verkündung meines Preises – hatte ich diesem Tag entgegengefiebert. Aber als es dann endlich so weit war, war ich ganz ruhig.

Alles hatte bis dahin seinen Lauf genommen.

  • Ich hatte meine neue Lektorin – Frau Biskup – kennengelernt und mir ihr das Manuskript noch einmal durchgearbeitet.
  • Ich hatte ein Cover auswählen dürfen.
  • Ich hatte die Satzfahne ein letztes Mal korrigiert.
  • Ich hatte gewartet. Unendlich lange gewartet.

Dann hatte ich mich entschlossen Vollzeit Teilzeit-Schriftstellerin zu werden und das Marketing selbst in die Hand zu nehmen, diesen Blog zu schreiben, um so die Zeit bis zur Veröffentlichung und bis zur Vorstellung auf der Buchmesse erträglicher zu gestalten.

Dann kam der Sommer. Unendlich lang und unproduktiv. Ein perfekter Familiensommer, in dem ich kaum eine Zeile schreiben konnte.
Schließlich reifte die Idee für die Buchpremiere und die Arbeit begann von Neuem, plötzlich waren andere Dinge wichtig, wurden groß und größer, bis ich es fast nicht mehr aushalten konnte.

Dann -ohne Vorwarnung – tauchte plötzlich eine Kiste vor meiner Haustür auf. Ein Karton mit den ersten 40 Büchern. Es war unglaublich. Mein Sohn war vollkommen überwältig davon, dass ich alle diese Bücher geschrieben hatte. Er war sehr stolz auf mich, obwohl in den Büchern kein einziges Bild zu finden war.

Dann druckte ich Flyer und Poster und noch mehr Flyer und Poster und alles drehte sich plötzlich nur noch um die Buchpremiere. Innerlich war ich vor Aufregung wie gelähmt. Ich schlief kaum noch, doch das machte mir nichts aus, war ich doch sowieso ein Nervenbündel, von Adrenalin aufrecht gehalten und gleichzeitig fahrig, gereizt und ungerecht zu meinen Kindern.

Selbst am 29.9.2017, am Tag der Erstveröffentlichung meines Romans besuchte ich keine Buchhandlung, hatte keine Lust zu feiern. Ich ging zur Theaterpremiere von „Elektra“, das an diesem Abend in der Neuen Bühne Bruck Premiere hatte. Nach der obligatorischen Premierenparty bauten wir noch das Bühnenbild auseinander und richteten bis 2 Uhr nachts die Beleuchtung ein.

Dann war es endlich so weit: Die Buchpremiere stand kurz bevor, war da und auch schon wieder vorüber – der Zeit ist es egal, was in ihr passiert, sie geht doch immer vorbei.

So eine unendliche Erleichterung hatte ich zuletzt nach meiner Hochzeit gespürt. Nicht, dass ich den Abend nicht genossen hätte, aber irgendwann reicht es dann auch. Die nächsten Tage war ich hundemüde und wollte nur eins: Schlafen.
Endlich hatte ich Zeit, alles zu erledigen, was in den letzten Wochen liegen geblieben war, endlich hatte ich wieder einen klaren Kopf und offene Augen und Ohren für meine Familie. Ich hatte die Buchpremiere überstanden, jetzt konnte mir nichts mehr passieren. Der Termin auf der Buchmesse erschien mir von nun an absolut machbar, nichts Großes. Schön, aber lassen wir die Kirche im Dorf!

Und genauso war es auch. Die Leute vom Verlag sind wahnsinnig nett und ich habe mich sehr gefreut, sie nach einem Jahr wieder zu sehen.
Die Buchvorstellung selbst dauerte knapp vier Minuten. Danach erschienen dann noch eine Handvoll Fans, die Autogramme haben wollten. Damit war ich vollkommen überfordert! Ich war geschmeichelt und freute mich, und fühlte mich doch gleichzeitig fehl am Platz. Mit zittriger Hand schrieb ich ein paar Sätze, signierte ein paar Bücher und Autogrammhefte und dann war plötzlich wieder alles normal. Leute gingen an mir vorbei, sahen mich nicht anders an als all die anderen auf der Messe und ich konnte wieder durchatmen.

Das war es dann also. Ab jetzt war ich Autorin von Lübbe. Ab jetzt hatte ich ein Buch veröffentlicht. Ab jetzt war ich eine von tausenden. Eine große Ernüchterung überkam mich . Genau wie schon im letzten Jahr, wurde mir wieder bewusst, was für ein kleines Rädchen in was für einer gigantischen Maschine ich doch war. So viele Bücher – und hinter jedem einzelnen steckt so viel Zeit und Aufwand und jeder möchte es schaffen, am liebsten ganz nach oben.
Und so kehrte ich mit gemischten Gefühlen nach Hause zurück. Ich war stolz und erleichtert, glücklich, aber auch ein wenig traurig darüber, dass aus der Euphorie von vor einem Jahr wenig übrig geblieben ist.

Selbstverständlich werde ich weiter schreiben. Das steht außer Frage. Es ist und bleibt immer noch mein großer Traum, Schriftstellerin zu sein.
Nur ist aus dem „eines Tages“ nun ein „hier und heute“ geworden. Jetzt muss ich beweisen, dass ich auch das kann.

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